Vollkosten

Was versteht man unter einer Vollkostenrechnung?

Die Vollkostenrechnung ist ein Kostenrechnungssystem bei dem alle Kosten auf die Leistungseinheit, den Kostenträger, verrechnet werden.
Es werden zunächst die Einzelkosten, die auf eine Leistungseinheit direkt zurechenbar sind, auf die Kostenträger und Kostenstellen verrechnet. Das sind in der Regel die variablen Kosten, wie z.B. der Materialeinsatz für ein bestimmtes Produkt. In einem Unternehmen entstehen aber auch Gemeinkosten, z. B. zur Anmietung von Räumlichkeiten. Diese Miete kann nicht direkt auf die Leistungseinheit umgelegt werden. Deshalb wird sie über Kostenstellen geschlüsselt und anschließend anteilig verrechnet. Zum Beispiel, wenn in dieser Halle bei einer Jahresmiete von 10.000 € eine Menge von 20.000 Stück produziert wird, so werden die fixen Kosten durch die Produktionsmenge dividiert und es errechnet sich ein Kostensatz von 0,50 €/Stück.
Dieser Kostensatz wird dann zu den variablen Kosten hinzuaddiert und man erhält so die Herstellkosten. Das Kalkulationsschema ist dann wie folgt:
Fertigungsmaterial
+ Materialgemeinkosten
+ Fertigungslöhne
+ Fertigungsgemeinkosten
= Herstellkosten
Im nächsten Schritt werden Verwaltungs- und Vertriebskosten auf die Herstellkosten mit Prozentzuschlägen umgelegt:
Herstellkosten
+ Verwaltungskosten
+ Vertriebskosten
= Selbstkosten

Besonders zu beachten

Das zentrale Problem der Vollkostenrechnung stellt die Verrechnung der fixen Kosten dar. Denn diese Verrechnung setzt zum einen Proportionalität voraus und zum anderen auch eine Schlüsselung, die dem Kostenverursachungssystem entspricht. Es ist nicht immer gewährleistet, dass die Schlüssel der tatsächlichen Kostenverursachung entsprechen. Auch können sich die Mengen im Vergleich zur Berechnungsgrundlage ändern, was zu falschen Ergebnissen führen kann.
Dieser Mangel wird in der Teilkostenrechnung berücksichtigt, indem nur die Einzelkosten direkt auf den Kostenträger verrechnet werden. Deshalb sind diese Kostenrechnungssysteme auch im Controlling aussagekräftiger.
Die Kostenrechnung kann vorausschauend als Plan-, auf Basis der aktuellen Daten als Ist-, oder auf Basis der Durchschnittswerte aus den Ist-Daten der Vergangenheit als Normalkostenrechnung erstellt werden.