Nutzwertanalyse und Zielsystem

Die Nutzwertanalyse ist ein geeignetes Instrument zur Bewertung und Entscheidung komplexer Projekte, z. B. Forschungsprojekte und Investitionen. Basis für die Bewertung sind die Ziele des Entscheiders. Quantitative Ziele, z. B. Gewinnmaximierung, Umsatzwachstum oder Ausbau von Marktanteilen stehen neben qualitativen Zielen, wie z.B. Nachhaltigkeit, Halten und Rekrutieren von Fachkräften oder Klimaschutz. Sind in einem Unternehmen mehrere derartige Ziele fixiert, reicht die rein monetäre Bewertung eines Investitionsprojektes, wie z.B. mit der Amortisationsrechnung, der Kapitalwertmethode oder dem vollständigen Finanzplan nicht mehr aus. Der Nutzen des oder der Investitionsobjekte in Bezug auf die anderen Ziele müssen separat bewertet werden.

Hier ist die Nutzwertanalyse ein geeignetes Instrumentarium. Der Nutzen ist ein Maß für die Fähigkeit von Gütern und Dienstleistungen, Bedürfnisse zu befriedigen. Voraussetzung für die Anwendung der Nutzwertanalyse ist, dass die Ziele definiert und hierarchisch geordnet sind.

Die Bewertung erfolgt in 5 Schritten:

  1. Schritt: Aufstellen einer Zielhierarchie bzw. eines Zielsystems und geeigneten Beurteilungskriterien. Als Beispiel mag die Errichtung eines Flagship Stores dienen, für den zwei Standorte in deutschen Großstädten die Alternativen sind.

An zwei Zielen, die beispielhaft willkürlich aus einer Zielpyramide herausgegriffen sind, wird dies verdeutlicht. Das eine Ziel ist einen möglichst hohen Bekanntheitsgrad zu erreichen, das Andere, das gute und ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen.

  1. Schritt: Ableiten von Gewichtungsfaktoren für die Kriterien oder Ziele. Ziele, die eine hohe Bedeutung haben, bekommen einen höheren Gewichtungsfaktor, als andere nicht so bedeutende Ziele. Nehmen wir an, das zweite Ziel ist doppelt so bedeutend wie das Erste, dann bekommt es den Faktor zwei in der Gewichtung und das Erste den Faktor eins.
  2. Schritt: Jetzt werden die Kriterien definiert, die das Investitionsprojekt erfüllen muss. In Bezug auf den Bekanntheitsgrad heißt das z.B.:

Es wird eine Bekanntheit von 50 % (höchster Wert) in der Zielgruppe eines Jahres erreicht, bekommt dieser Wert 5 Punkte, 40 % 4 Punkte usw. In gleicher Weise werden die Ausprägungen für das Ziel gute Fachkräfte zu gewinnen, festgelegt.

  1. Schritt: Die Alternativen werden durch Experten bewertet und Schritt für Schritt bekommt jedes Kriterium einen Punktwert.
  2. Schritt: Im letzten Schritt wird der Nutzwert berechnet. Die einzelnen Punktwerte werden mit den Gewichtungsfaktoren ausmultipliziert und anschließend werden diese Werte über alle Kriterien addiert.

Dies kann in unserem kleinen Beispiel so aussehen:

Kriterium Großstadt 1 Gewichtung Gesamtpunkte
       
Bekanntheitsgrad 5 Punkte 1   5 Punkte
Fachkräfte 3 Punkte 2   6 Punkte
Nutzwert 11 Punkte

 

Kriterium Großstadt 2 Gewichtung Gesamtpunkte
       
Bekanntheitsgrad 3 Punkte 1   3 Punkte
Fachkräfte 5 Punkte 2 10 Punkte
Nutzwert 13 Punkte

 

Demnach wäre Großstadt 2 als Investitionsalternative vorzuziehen.

 

Folgendes ist bei der Methode besonders zu beachten:

  1. Subjektivität ist zu vermeiden. Dies kann z.B. durch die Bewertung mehrerer Experten geschehen.
  2. Es sollten neben Kriterien auch die Konsequenzen durchdacht und beachtet werden.
  3. Über die Entwicklung der Kriterien in der Zukunft sollte man sich Gedanken machen und diese zukünftige Entwicklung in die Bewertung mit einbeziehen.
  4. Die Kriterien sind nicht unabhängig voneinander und überschneidungsfrei. Komplementär und Konkurrenzbeziehungen sollten vermieden werden.
  5. Es werden Kriterien qualitativ bewertet, die auch monetär zu bewerten sind.
  6. Ein hoher Nutzwert sollte mit einem hohen Zielerreichungsgrad koalieren.
  7. Die Nutzwertanalyse stellt eine wichtige Ergänzung zu den quantitativen monetären Bewertungsverfahren dar, kann sie aber nicht ersetzen.