Amortisationsrechnung

Die Amortisationsrechnung ist eine beliebte Methode aus der Praxis. Ich habe diese Methode gerne angewandt, da sie schnell und einfach die Vorteilhaftigkeit oder das Risiko einer Investition zeigt. Sie gibt es in verschiedenen Varianten. Im folgenden Beitrag wird die Anwendung des rein statischen Verfahrens und seine Vor- und Nachteile in der Anwendung beschrieben.

Möchte beispielsweise ein metallverarbeitender Betrieb ein neues Schleifverfahren für Messer einsetzen, so kann die Amortisationsrechnung auf der Basis einer Kostenvergleichsrechnung durchgeführt werden. Für den Kostenvergleich sind die Grunddaten sorgfältig zu ermitteln. Welche Kapazität haben die Maschinen, wie lange ist die Nutzungszeit, wie ist der Liquidationserlös am Ende der Periode, wie hoch sind die variablen und fixen Kosten eines jeden Verfahrens. Dies möchte ich an folgendem Beispiel verdeutlichen:

Es werden zwei Schleifmaschinen mit gleicher Kapazität und Nutzungsdauer mit unterschiedlicher Kostenstruktur bei einem Liquidationserlös von Null mit einander verglichen. Anhand des folgenden Beispiels wird die Rechnung verdeutlicht:

Die Amortisationsrechnung als Wirtschaftlichkeitsvergleich
Eingangsdaten vom Unternehmen vorgegeben
Kalkulatorischer Zinssatz 10,00%
Daten pro Stück Gesamtdaten
Eingangsdaten Maschine Maschine 1 Maschine 2
Anschaffungskosten 100.000 € 50.000 €
Liquidatitionserlös am Ende 0 € 0 €
Nutzungsdauer 10,00 Jahre 10,00 Jahre
Ausbringung p.a. 11.000 Stück 11.000 Stück
Sonstige fixe Kosten p.a. 1.000 € 600 €
Löhne und Lohnnebenkosten 0,50 € 1,00 € 5.500 € 11.000 €
Materialkosten 0,18 € 0,20 € 1.980 € 2.200 €
Energie und sonst. Var. Kosten 0,14 € 0,36 € 1.540 € 3.960 €
Berechnung der Amortisationszeit als Kostenvergleich
Summe variable Kosten 0,82 € 1,56 € 9.020,00 € 17.160,00 €
Differenz der Anschaffungskosten 50.000,00 €
Differenz der variablen Kosten 0,74 € 8.140,00 €
Differenz der jährlichen Fixkosten -0,04 € -400,00 €
Differenz der jährlichen Zinskosten (Durchschnitt) -0,23 € -2.500,00 €
Differenz der jährlichen Kosten 0,48 € 5.240,00 €
Amortisationsdauer
d.h. ab diesem Zeitpunkt
ist Maschine 1 günstiger
9,54 Jahre
Berechnung der Amortisationsmenge als Kostenvergleich
Amortisationsmenge 104.962 Stück

Bei Vollauslastung amortisiert sich die Maschine 1 gegenüber der Maschine 2 in 9,54 Jahren bzw. ab einer Produktionsmenge von 104.962 Stück.

Die Amortisationszeit bzw. -menge kann auch als ein Maß für das Risiko genommen werden. Je länger die Amortisationszeit bzw. -menge desto höher ist das Risiko und umgekehrt.

Das Verfahren kann in der Praxis einfach angewendet werden. Jedoch sollte folgendes beachtet werden:

Veränderungen im Zeitlablauf z.B. über die Einkaufspreise oder Lohn- und Gehaltssteigerungen bleiben unberücksichtigt. Dieser Aspekt kann erheblich die Vorteilhaftigkeit einer Investition in Frage stellen.

Die Zurechenbarkeit der Erlöse auf ein einzelnes Investitionsprojekt ist in der Praxis nicht einfach bzw. bei Prozessketten oft nicht möglich.

Für die Amortisationszeit und -mengen sollten unternehmensinterne Ziele vorgegeben werden, anhand derer die Vorteilhaftigkeit der Investition gemessen wird. Ist die Amortisationszeit z.B. kürzer als die unternehmensinterne Vorgabe, so ist die Investition somit als vorteilhaft anzusehen.

Zur vollständigen Beurteilung eines Investitionsobjektes sollten noch andere Investitionsverfahren in Verbindung mit der Amortisationsrechnung verwendet werden.

Finanzielle Rückflüsse, die während der Amortisationszeit entstehen, finden keinen Eingang in die Rechnung.

Die Nutzungsdauer der Investitionsobjekte bleibt unberücksichtigt.

Die Amortisationsrechnung kann als statische Amortisationsrechnung auf der Basis von Deckungsbeiträgen oder als Gewinnvergleich durchgeführt werden. Die kumulative Amortisationsrechnung ist eine Weiterentwicklung und berücksichtigt veränderte Daten im Zeitablauf und eine Diskontierung.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Amortisationsrechnung eine erste Orientierung zur Beurteilung einer Investition sein kann, jedoch sollten andere Verfahren zu einer vollständigen Beurteilung hinzugezogen werden.