Rentabilitätsberechnung

Die Rentabilitätsberechnung hat in der Praxis eine hohe Bedeutung, weil diese Kenngrößen für das Rating eines Unternehmens wichtige Kenngrößen sind. Die Rentabilität ist eine wirtschaftliche relative Kennzahl. Im Gegensatz zu den absoluten Kennzahlen, wie z. B. Gewinn, ist sie eine Verhältniszahl und drückt das Verhältnis von Erfolg zu anderen Größen aus. Sie wird nur dann aussagekräftig, wenn diese Kennzahl mit den Kennzahlen im Zeitvergleich oder mit ähnlich strukturierten Betrieben verglichen wird.

Es gibt verschiedene Arten der Rentabilität:

Die Umsatzrentabilität wird berechnet, indem der Erfolg (statt des Begriffes Erfolg kann auch der Begriff Gewinn verwendet werden) durch den Umsatz dividiert und mit 100 multipliziert wird.

Umsatzrentabilität = (Erfolg/Umsatz) * 100

Wird der Erfolg vor Steuern als Berechnungsgrundlage herangezogen, spricht man auch von der Bruttoumsatzrendite.

Wird der Erfolg vor Steuern als Berechnungsgrundlage herangezogen, spricht man auch von der Nettoumsatzrendite.

Gesamtrentabilität= (Erfolg + verrechnete Fremdkapitalzinsen)/Gesamtkapital * 100

Eigenkapitalrentabilität= (Erfolg/Eigenkapital)*100

Rentabilität des betriebsnotwendigen Kapitals= (Betriebserfolg + verrechnete Zinsen für betriebsnotweniges Kapital)/betriebsnotwendiges Kapital * 100

Bei der Anwendung der Rentabilitätskennzahlen als Entscheidungskriterium ist einiges zu beachten:

Die Gewinnmaximierung muss nicht zwangsläufig konform mit der Maximierung der Gesamtrentabilität oder Umsatzrentabilität einhergehen. Wird z. B. Fremdkapital eingesetzt, steigt die Eigenrentabilität nur, wenn die Gesamtrentabilität höher ist als die Fremdkapitalverzinsung.

Auch führt eine Maximierung der Umsatzrentabilität nicht automatisch zu einer Gewinnmaximierung.

Die Rentabilität steht im Zielkonflikt zu anderen wirtschaftlichen Kennzahlen wie z.B. die Liquidität und das Risiko. Das Verhältnis dieser drei Kennzahlen wird auch als magisches Dreieck bezeichnet. Eine hohe Rentabilität muss nicht zwangsläufig auch eine gute Liquidität bedeuten. Auch können hohe Rentabilitätskennzahlen mit hohen Risiken einhergehen. Deshalb ist die Liquidität auch separat zu berechnen, um eventuelle Liquiditätslücken aufzuzeigen und das Risiko separat zu beurteilen, um eine ausgewogene Entscheidung zu treffen oder die Entwicklung zu beurteilen.

Die Rentabilität ist also nicht isoliert als einzelne Kennzahl aussagekräftig, sondern erst im Kontext mit anderen Kenngrößen und Kennzahlen.

Rentabilitätskennzahlen können auch auf einzelne Investitions- oder Innovationsobjekte bezogen werden. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Der Gewinn eines Investitionsobjektes kann in das Verhältnis zu Anschaffungsauszahlung, des durchschnittlich gebundenen Kapitals oder des Restwertes bezogen werden. Wird die Rentabilität nur auf den Restwert einer z. B. abgeschriebenen Investition bezogen, so ist das verführerisch.

Die Rentabilitätsberechnung ist ein statisches Investitionsrechenverfahren. Wird sie für eine Investition angewandt kann sie beispielsweise so aussehen:

Daten pro StückGesamtdaten
Eingangsdaten MaschineMaschine 1Maschine 2
Anschaffungskosten100.000 €50.000 €
Liquidatitionserlös am Ende0 €0 €
Nutzungsdauer10,00 Jahre10,00 Jahre
Ausbringung p.a.11.000 Stück11.000 Stück
Erlös2,50 €2,50 €
Sonstige fixe Kosten p.a.1.000 €600 €
Löhne und Lohnnebenkosten0,50 €1,00 €5.500 €11.000 €
Materialkosten0,18 €0,20 €1.980 €2.200 €
Energie und sonst. Var. Kosten0,14 €0,36 €1.540 €3.960 €
Erlöse p.a.2,50 €2,50 €27.500,00 €27.500,00 €
Variable Kosten0,82 €1,56 €9.020,00 €17.160,00 €
Deckungsbeitrag (Stück/p.a.)1,68 €0,94 €18.480,00 €10.340,00 €
Fixe Kosten inkl. Abschreibungen
ohne Zinsen
11.000,00 €5.600,00 €
Gewinn vor Zinsen0,23 €0,20 €7.480,00 €4.740,00 €
Bruttorentabilität  14,96%18,96%
Kalkulatorischer Zinssatz10,00%10,00%
Zinsen p.a.5.000,00 €2.500,00 €
Gewinn nach kalkulatorischen Zinsen2.480,00 €2.240,00 €
Nettorentabilität  4,96%8,96%

 

Die Rentabilität wird hier als Entscheidungskriterium für die Vorteilhaftigkeit der Investition angewandt. Demnach sind beide Maschinen vorteilhaft, da ihre Bruttorentabilität über dem kalkulatorischen Zinssatz liegt, und somit die Erwartungshaltung des Investors erfüllt. Maschine 2 zeigt jedoch eine höhere Rentabilität und ist demnach der Maschine 1 vorzuziehen.

Allerdings kann die Beurteilung von Investitionen anhand nur der Rentabilitätsberechnung zu falschen Entscheidungen führen, denn die wesentlichen Entscheidungsgrößen Liquidität und Risiko werden nicht beachtet.

Die Rentabilitätsberechnung hat als statisches Investitionsrechenverfahren zudem einige Schwächen. So bleibt die zeitliche Verteilung der Zahlungen unberücksichtigt und die Finanzierungsseite wird nur rudimentär über eine Durchschnittsverzinsung abgebildet. Auch wird eine Veränderung der Daten vernachlässigt, sowie Ergänzungsinvestitionen bleiben unberücksichtigt.

Verwendete Literatur: Wöhe, Günther: Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 20. Aufl. München 2000, S. 46ff

Olfert/Reichel in Investition, 10. Auflage, Ludwigshafen 2006, S. 47

Rasspe-Dahmann, Wolfgang, „Investitionsmanagement“, Stuttgart 2011, S. 41 ff